|
Das Neuste
Der Presseartikel
Deutsche Meisterschaft im Seesportmehrkampf 2008 in Gotha
Am 28.06. und 29.06.2008 findet im Volksparkstadion Gotha und auf dem Immertalstausee bei Friemar die diesjährige Deutsche Meisterschaft im Seesport statt. Ausrichter ist der Marineclub Gotha e.V., Schirmherr der Oberbürgermeister der Stadt Gotha, Herr Knut Kreuch. Zu den Wettkampfdisziplinen gehören Knoten, Wurfleine, 100 m Schwimmen, Geländelauf, 250 m Dinghyrudern und 1000 m Kutterrudern.
Der Marineclub Gotha zählt mit 100 Mitgliedern im Alter von 7 bis 70 Jahren bereits zu den zahlenmäßig großen Vereinen der Stadt Gotha.
Die wenigsten Leser haben vom Seesport bereits etwas gehört und erst recht kann sich kaum einer vorstellen, was die See im Mittelgebirge zu suchen hat. Mit Seefahrt verbinden sich in erster Linie Bilder wie weisse Segel auf blauem Meer, hohe Wellen, gestandene und unerschrockene Kerle mit allesamt vom Wetter gegerbter Lederhaut. Und all das am Fuße des Thüringer Waldes? Doch was ist Seesport eigentlich? Er ist ein Mehrkampf und aus dem Wettstreit einzelner Besatzungen von Segel- und später auch Motorschiffen entstanden. Diese Wettbewerbe zwischen den Seeleuten gibt es seit Schiffe die Meere befahren und half den Matrosen, das harte Leben an Bord besser zu überstehen. Sie dienten sowohl der Ausbildung als auch der Disziplinierung der Besatzungen.
Aus dem Alltag der Seemänner entwickelte sich der Seesport zur Ausbildung der Besatzungen bei Handels- und Kriegsmarine. Bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit in Athen im Jahre 1896, gehörten Wettkämpfe im Seesport zum Rahmenprogramm.
1986 wurde der "Deutsche Seesportverband der DDR" in Berlin gegründet. 1990 gaben sich die Mitglieder auf dem Verbandstag in Greifswald selbstständig eine neue Satzung, wählten ein neues Präsidium und nannten sich fortan "Deutscher Seesportverband e.V." (DSSV). Die meisten Seesport-Vereine sind infolge des historischen Hintergrundes in den neuen Bundesländern zu finden. Dem DSSV mit Sitz in Berlin gehören etwa 110 Vereine aus den verschiedenen Bundesländern mit über 3500 Mitgliedern an. Jährlich veranstaltet der DSSV offene Deutsche Meisterschaften.
Auch außerhalb dieser Organisationsformen wird Seesport in den deutschen und internationalen Handels-, Fischerei- und Kriegsflotten gepflegt. Kutterrudern und Kuttersegeln gehören auch zum sportlichen Alltag bei Einrichtungen der Feuerwehr und der Polizei. Private Eliteschulen nutzen den Seesport zur Persönlichkeitserziehung. Last but not least, auch die Pfadfinder in Deutschland, den Niederlanden, Polen und in weiteren Ländern betreiben Seesport in organisierter Form.
In der modernen Form des Seesports sind deutschlandweit folgende Disziplinen vertreten:
Im Kutterrudern rudert (pullt) ein Team von zehn Leuten mit Steuermann einen Kutter (Beiboot größerer Schiffe) über eine festgelegte Distanz. Dabei sitzt die Mannschaft paarweise nebeneinander an den Riemen, der Steuermann sorgt für Kurs und Motivation der Mannschaft. Diese Sportart benötigt viel Kraft, wird jedoch auch gerne von Frauen ausgeübt. Beim Dinghyrudern befinden sich zwei Ruderer und ein Steuermann im Boot (Dinghy).
In der Disziplin Knoten müssen an einem Gestell (Knotenbahn) in schnellstmöglicher Zeit zehn seemännische Knoten gefertigt werden. Schifferknoten haben im übrigen eine besondere Bedeutung für den Schiffsbetrieb. Diese Knoten müssen einerseits sicher halten, andererseits auch wieder lösbar sein, auch wenn sie unter starker Last stehen oder nass geworden sind. Das "Stecken" solcher Knoten ist daher wesentlicher Ausbildungsbestandteil aller Seeleute und Sportschiffer.
Eine Wurfleine ist eine dünne Leine mit einem Wurfgewicht oder Knoten. Sie dient dem Zweck vom Schiff aus Leinen zum Festmachen an Land zu übergeben, ohne das Schiff dichter als nötig an Land heran zu manövrieren. Da diese Festmacherleinen viel zu schwer sind, um sie über eine größere Distanz an Land zu werfen, wirft man stattdessen die so genannte Wurfleine. Beim Seesportwettkampf kommt es darauf an, das Wurfgewicht mit möglichst großer Genauigkeit in einer 5 m breiten Gasse so weit wie möglich zu werfen.
Im Geländelauf (600m, 800 m, 1000 m, 1500 m je nach Altersklasse) und Schwimmen (100 m Freistil) werden die Regeln der nationalen und internationalen Sportfachverbände angewendet.
Eine in unserer Region noch recht unbekannte, aber äußerst interessante Sportart. Die Deutsche Meisterschaft in Gotha bietet somit all jenen, die sie näher kennenlernen möchten, eine günstige Gelegenheit.
(H.S.)
|